Dass viele Unternehmen in der fortlaufenden Situation Maßnahmen ergreifen wollen um kurzfristig Ergebnisse zu erzielen, die mittelfristig dazu führen sollen die Ausnahmesituation zu meistern, ist verständlich. Leider zeigt sich aber, dass zunehmend "Schlampigkeitsfehler" gemacht werden - bewusst wie auch unbewusst.

Erschwerend kommt das, sich immer weiter aufblähende, Coaching-Gewerbe hinzu. Jeder bekommt sie angezeigt:
Coaches, die versprechen mit ein wenig Content, einer Landingpage mit vielen Call-to-Action Buttons und einem Whitepaper lassen sich die Auftragsbücher füllen. 

„Publiziere Content, bau eine Landingpage, generiere ein Whitepaper und Du wirst neue Kunden gewinnen!“

So in etwa könnte man die LinkedIn- bzw. Social Selling-Strategien nahezu aller "Experten" für Content Marketing, Storytelling, SEO, Online Lead Generation etc. zusammenfassen.

Die Vorteile derartiger Strategien stellen sich zunächst auch sehr attraktiv dar:

o  Die Produktion der Inhalte (Content Creation) wäre quasi „sehr schnell & einfach“,
o  die Distribution über den LinkedIn-Kanal wäre ebenfalls „kostenlos“,
o  auf LinkedIn tummelten sich eine gewaltige Anzahl an Personen, die genau zur eigenen Zielgruppe gehören. (Targeting).
o  Der bloß einmal produzierte Content könne in verschiedenen Formaten auch über andere Kanäle publiziert werden. (Multi-purposing)
o  Wer regelmäßig hochwertigen Content publiziere, werde als Authority, als Thought Leader, als Experte im Fachgebiet wahr genommen, das würden irgendwann auch viele Menschen erkennen – und mit solchen Experten dann letztlich auch irgendwann Geschäfte machen wollen.

In Summe also ideale Voraussetzungen, um aus Content Marketing auf LinkedIn das Meiste herauszuholen....

Wenn da nicht ein paar gravierende Probleme wären:

 Herausforderung Nummer 1: Content meets no Curiosity

Gary Vaynerchuk, einer der weltweit führenden Experten zum Thema Content Marketing meinte einmal sinngemäß auf einer seiner vielen Event-Bühnen:

„Jedes Marketingkonzept ist solange ... (Fluch!) ... fantastisch, bis es von der ... (Fluch!) Masse der ... (Fluch!) ... Marketer entdeckt und ... (Fluch!) ... kaputt gemacht wird!“

Er bezog sich dabei eher auf Google Adwords, Facebook Ads, Snapchat, Periscope und würde jetzt wohl TikTok meinen, aber das Prinzip gilt allgemein:

Weil derartige Content-Strategien von allen Expertenseiten angeraten werden, werden sie immer häufiger und letztlich völlig inflationär und von zu vielen eingesetzt.

Letztlich werden Massen von – noch dazu mittelprächtigem Content – produziert, aber nach und nach von immer weniger Personen konsumiert – es gibt einfach nicht mehr genug Personen pro Content Piece!

 Herausforderung Nummer 2: Content meets no new Customers. (Nor clients)

Anders als in fachbezogenen Facebook-Gruppen – wo es im Rahmen einer No oder low budget-Strategie durchaus sehr sinnvoll ist, mit klugen Beiträgen und Kommentaren Value zu stiften und auf sich aufmerksam zu machen – ist es auf LinkedIn deutlich weniger notwendig, sich über hochwertigen Content als Experte zu positionieren.

Jede und jeder weist sich auf LinkedIn bereits durch die bloße Berufsbezeichnung als Experte aus. Jede und jeder verwendet entsprechende, vielsagende Slogans: „Ich bin Autor/Speaker/Buchautor, Enabler im Bereich ... und ich kann ... besser als jede/r andere!“

 Falls es nun Personen gibt, die auf LinkedIn tatsächlich Geschäftspartner suchen, wissen die schon gar nicht mehr, an welche dieser vermuteten Experten sie sich nun wenden sollen.

Herausforderung Nummer 3: Content ain’t Cash

Netzwerke bestehen zum Großteil aus (Geschäfts-)Freunden, Geschäftspartnern aus diversen Lebens- und Jobphasen. Aus Personen, die einen bereits kennen. Die bereits wissen, dass man Expertin oder Experte ist. Unabhängig von jeder Content Strategie.

Diesen Personen kann man sich mit neuem Content zwar „in Erinnerung rufen“ und man wird auch den einen oder anderen bereits abgekühlten Lead wieder aktiveren können (Lead Nurturing). Letztlich bleibt es ein Aufenthalt in der eigenen LinkedIn-Blase ein „Schmorren im eigenen Saft“.

Herausforderung Nummer 4: Content ain’t Cheap

Lediglich die Distribution von Content ist weitestgehend kostenlos, alle anderen Stufen der Content Creation kosten richtig viel Geld und/oder Zeit. Ich habe gar nicht genug Zeit, all diese offenen und versteckten Kosten detailliert anzuführen. Kostet zusätzlich Überwindung bei all jenen, die keine natural content creator sind. Und Disziplin über lange, fallweise auch sehr turbulente Zeiträume.

Nur wenn eine Content Marketing Strategie in eine klar definierte, messbare Social Selling-Strategie mündet, werden Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein.

(Content) Marketing & Sales Alignment ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren des Social Selling und sollte - insbesondere aktuell - unternehmensübergreifend gedacht und vor allem gelebt werden.

Soziale Medien erfordern aktuell umso mehr, dass Führungskräfte endlich anfangen, wie kleine, lokale Läden zu denken. Das bedeutet, dass man langfristig denkt und kurzfristige Maßnahmen vermeidet. Es bedeutet, die Persönlichkeit, das Herz und die Passion der Menschen, die das Unternehmen auf allen Ebenen leiten, nach außen zu tragen. 

Wenn Sie Unterstützung brauchen oder Fragen zu den Themen LinkedIn, Content Strategie oder Social Selling haben, freuen wir uns über Ihre Nachricht oder einen Kommentar.